Lachenmann Art

Justine Otto

Justine Otto, Heat, 2019, Öl auf LW, 220x170cm, Credits Wolfram Ziltz
Justine Otto, Blower, 2017, Öl auf Holz, 50 x 40 cm
Justine Otto, enit, 55 x 55 cm, oil on mdf, 2016
Justine Otto, eson, 55 x 55 cm, oil on mdf, 2016
Justine Otto, jos, 55 x 55 cm, oil on mdf, 2016
Justine Otto, neno, 55 x 55 cm, oil on mdf, 2016
Justine Otto, sue, 55 x 55 cm, oil on mdf, 2016
Justine Otto, unsa, 55 x 55 cm, oil on mdf, 2016

Justine Otto lives and works in Hamburg and Berlin
born in 1974 in Zabrze, Poland


Exhibitions

Salon Hansa: InterINTIMES_AutoPORTRAIT

#30

Wunderwelten


Education

2003 Appointment as graduate student, subject Freie Malerei/Free Painting

19962003 Studies at Staatliche Hochschule für Bildende Künste/Städelschule, Frankfurt Main — Prof. Peter Angermann und Prof. Michael Krebber

Awards and Scholarships

2014 phillips collection emerging artist prize 2014, Washington D.C.

2013 Dr. Rolf Seisser Preis, Lions Club, Frankfurt

2000 AEG  Kunstpreis Ökologie, ehem. Kapselfabrik, Nürnberg
2010 NES  Artist Residency Skagaströnd, Island     

2000 DAAD  international scholarship at Accademia di Belle Arti di Brera, Mailand

Collections
Phillips Collection, Washington D.C.

Sammlung Hessisches Landesmuseum 

Solo Exhibitions (Selection)

2016    NONSEQ, polarraum, Hamburg, DE

2016    Hidden persuaders, Westwendischer Kunstverein, Gartow, DE

2015    pink moon, Kunsthalle Sparkassenstiftung Lüneburg, DE

2015    things behind the sun, Kunstverein Duisburg, DE

2015    hyder flares Goetheinstitut, Washington D.C., US

2014    Today is tomorrow’s yesterday, Städtische Galerie Neunkirchen, DE

2013    Halbpension, Museum Franz Gertsch, Burgdorf, CH

2013    Auszeit, polarraum, Hamburg, DE

2012    Zähne und Krallen, Kunsthalle Jesuitenkirche, Aschaffenburg, DE

2012    smelter, Museum Kloster Kamp, Kamp-Lintfort, DE

2011    Gesangverein Liederkranz, Verein für junge Kunst, Wolfsburg, DE

2011    Blutsverwandtschaften, Museum Schloss Gifhorn, Gifhorn, DE

2011    helter skelter, Galerie Barbara von Stechow, Frankfurt, DE

2009  Zeit für Plan B, Galerie Barbara von Stechow, Frankfurt, DE & Galerie Caprice Horn, Berlin, DE

2007   Überführung, Galerie Barbara von Stechow, Frankfurt, DE

2006   hide & seek, Galerie Barbara von Stechow, Frankfurt, DE

2003   geh’ doch heim little girl, 1822Forum Sparkasse, Frankfurt, DE

Group Exhibitions (Selection)

2019    #30, Lachenmann Art, Frankfurt a. M., DE

2017    Wunderwelten, Lachenmann Art, Konstanz, DE

2016    Bittersüsse Zeiten, Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm, DE

2016    rien ne va plus, Kunsthalle Sparkassenstiftung Lüneburg, DE

2016    THE BERLIN CASE, Presidential B. Yeltsin Center, Ekaterinburg, RU

2016    Heimat, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden, DE

2016    PROZAC, Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt, DE

2016    SIC!, Christine König Galerie, Wien, AT & polarraum, Berlin, DE

2016    Die Bilder der anderen, Kommunale Galerie Berlin, DE

2016    Quantum levitation, polarraum, Berlin, DE

2016    Bittersüsse Zeiten, Städtische Galerie Regensburg, DE

2015    Kunst im Bau —  et al. with Erwin Wurm, Thaddäus Hüppi, Berlin Dahlem, DE

2015    Bittersüße Zeiten, Kunsthaus Apolda & Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg, DE

2015    don’t look back, Galerie Brennecke, Berlin, DE

2015    public private partnership, Lust Gallery, Wien, AT

2014    Die halluzinierte Welt, Haus am Lützowplatz, Berlin, DE

2014    Neue Figuration-Subjekt/Identität/Gesellschaft, Galerie Robert Dress, Hannover, DE

2014    Additionen der Gegenwart, Kunstmuseum, Bochum, DE

2014    Wahrheiten, Bayer Kulturhaus, Leverkusen, DE

2013    "Bettina von Arnim und zurück" —  et al. with Sandra Mann, Dirk Krecker, Lea Golda Holterman, Projektraum Basis, Frankfurt am Main, DE

2012    Eros & Thanatos, Baumwollspinnerei, Leipzig, DE

2012    utopia, Kunstverein Eisenturm, Mainz, DE

2012    so zwischendrin, Museen der Stadt, Dachau, DE

2011     That`s what friends are for …, Neuer Kunstverein, Aschaffenburg e. V., DE

2011    ausgeträumt, Stadtgalerie Markdorf, DE

2011    Kunsthalle macht Schule, Kunsthalle Darmstadt, DE

2011    Große Kunstausstellung Halle (Saale), DE

2011    Kunsthalle Villa Kobe Kunst Halle e. V., Halle/Saale, DE

2010   Frauenzimmer, Galerie Uwe Sacksofsky, Heidelberg, DE

2010   Weibsbilder, Galerie Z, Stuttgart, DE

2010   12. Cairo Biennale, Cairo, EG

2009  Liebeslust und Lebenslast —  Der inszenierte Alltag, Schloss Corvey, DE

2009   Nominiertenausstellung  des Kunstpreises des Lüneburgischen Landschaftsverbandes, Heinrich-Heine-Haus, Lüneburg & Galerie im Theater an der Ilmenau, Uelzen & Historisches Museum Schloss Gifhorn, DE

2009   In between —  Die Kunst erwachsen zu werden, Künstlerverein Walkmühle e. V., Wiesbaden, DE

2008    Fluchten, Künstlerverein Walkmühle e.V., Wiesbaden, DE

2007    my generation., Kunsthaus, Essen, DE

2007    Die Sammlung Rausch. It takes some to make something, Portikus, Frankfurt Main, DE

2006    Zurück zur Figur. Malerei der Gegenwart, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, DE

2005    Zurück zur Figur. Malerei der Gegenwart, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, DE

2004    4 painters, Galerie Rekord, Berlin, DE

2003    Absolvenz —  graduation exhibition, Städel Museum

Frankfurt Main, DE

2001    VASISTAS, Technische Universität, Istanbul , TR

Farbe feiern

Die in namhaften Museen und Sammlungen vertretene Künstlerin Justine Otto zeigt in der Ausstellung Wunderwelten eine Portraitreihe, die in der Fernsicht teilweise überraschend mimetisch wirkt, in der Nähe jedoch in gleichem Maße durch drastische und wilde Pinselführung abstrakt gebrochen wird und die als Protagonistin immer wieder dasselbe Mädchen zeigt.
 

Die Form des Portraits begleitet Justine Otto in ihrem Schaffen schon seit über zehn Jahren. Nach einer Schwerpunktverschiebung auf szenische Sujets kehrt sie mit der hier präsentierten Serie, die Anfang 2016 entstanden ist, zu dieser Darstellungsform zurück. Hier zeigt sich ein neuer Ansatz im Werk der Künstlerin; lag der Fokus älterer Portraits auf Realitätsnähe und Ausarbeitung des Inkarnats, so erfahren heute die Farbigkeit und der Duktus an sich eine viel größere Bedeutung. Der gewählte Untergrund bietet im Gegensatz zur Leinwand die Voraussetzung eines unnachgiebigen Materials, welches dem Werkzeug ausreichend Widerstand entgegensetzt, um Strukturen und Verläufe anders zu kreieren und Schattierungen durch das Abtragen oder Lösen von Farbe zu erzeugen. Die Malerei auf glattem Untergrund stellt die Farbe und ihre Beschaffenheit in das Zentrum, auch das Element des Zufalls gewinnt im Zuge dessen an Bedeutung; der Farbauftrag ist freier und dient weniger der inhaltlichen Verstärkung des Motivs, als vielmehr der Zelebrierung seiner eigenen malerischen Varianten.

Bei etwa der Hälfte der Portraits ziert ein deutlich sichtbarer Duktus, sowie wässrige Farbschlieren, Tropfen und Risse schmuckvoll die Haut des Mädchens, wobei die Farbe stets innerhalb einer realen Körperform existiert und diese dadurch naturnah konstituiert.
In den drei anderen Werken der Serie zeigt sich die Farbe explosionsartig von der Form befreit; Grenzen von Kopf zu Hals und Schultern sind teils nur schemenhaft durch den Farbvorhang zu erkennen. Die Pinselführung ist hier roh, experimentell und spielerisch, die Farben ziehen Kreise, bilden blasse, halbtransparente Schlieren und intensiv deckende Felder  alles findet selbstverständlich nebeneinander statt und verschmilzt zu einer Einheit.
 

Der Zusammenhang zwischen dem Ausdruck des Mädchens und der Farben- und Formenwelt, aus der sie besteht oder in die sie sich auflöst, bleibt offen. Trägt das Mädchen ihr Inneres nach außen und somit ihre Gefühle für jeden sichtbar auf ihrer Haut? Träume und Wünsche aber auch Zweifel und Unsicherheit in der Gefühlswelt des Mädchens auf dem Weg zur Frau spiegeln sich in den vielseitigen Farben und Strukturen wider.
Oder sind die menschlichen Züge nur eine Spielart des wilden Farbauftrages?
Justine Otto erzählt die Geschichten nie zu Ende, sie schafft es aber, eine faszinierende Lebendigkeit und packende Emotionalität, sowohl in den Augen der jungen Gesichter deren magischer Blick fesselt, weil er ausdrucksstark und klar, aber doch gänzlich geheimnisvoll ist — als auch in den abstrakten Passagen malerisch einzufangen.
 

Der Portraitserie, in der sich die Farbe selbst feiert, wohnt der Übergang von figurativer zu abstrakterer Malerei inne und markiert so einen markanten Wendepunkt im Œvre von Justine Otto.

 

— Christina Wigger

Celebrate colour

 

In exhibition ›Wunderwelten‹, the artist Justine Otto, who is represented in renowned museums and collections, presents a series of portraits. In some cases the portraits appears surprisingly mimetic in the distant view, but by approaching you recognise that they are abstractly broken by drastic and wild brushwork in the vicinity. As  protagonist, the artworks repeatedly show the same girl.

 

The art form of the portrait has accompanied Justine Otto in her artistic development for over ten years. After a shift of emphasis to scenic subjects, she returns to this form of representation with the series presented here, which was created at the beginning of 2016. Here, a new approach in the artist's work is evident; while the focus of older portraits was on the closeness to reality and the elaboration of the incarnation, colorfulness and the style itself are much more important today. The chosen substrate, in contrast to the canvas, offers the prerequisite of an unyielding material, which resists the tool sufficiently to create structures and gradients in a different way and to create shades by removing or loosening paint. Painting on a smooth background places colour and its composition at the centre of attention, also the element of chance gains importance in the process; the application of color is freer and serves not so much to reinforce the motif's content, but rather to celebrate its own pictorial variants.

 

In about half of the portraits, a clearly visible ductus as well as watery streaks of colour, drops and cracks decoratively adorn the girl's skin, whereby the colour always exists within a real body shape and thus constitutes it in a natural way.

In three other works of the series, colour is explosively liberated from its form; the borders from head to neck and shoulders can be seen only vaguely through the colour curtain. The brushwork is raw, experimental and playful, the colours form circles, pale, semi-transparent streaks and intensely covering fields — everything naturally takes place next to each other and merges into a unit.

 

The connection between the girl's expression and the world of colours and forms she consists of or dissolves into remains open. Does the girl carry her inner self to the outside and therefore her feelings visible for everyone on her skin? Dreams and desires but also doubts and insecurity in the girl's emotional world on her way to becoming a woman are reflected in the versatile colours and structures.

Or are these human traits just a variety of wild colours?

Justine Otto never finishes telling the stories, but she manages to capture a fascinating liveliness and gripping emotionality, both in the eyes of the young faces — whose magical gaze captivates because he is expressive and clear, but nevertheless completely mysterious — as well as in the abstract passages.

 

The series of portraits, in which colour celebrates itself represents the transition from figurative to abstract painting, marking a striking turning point in Justine Otto's oeuvre.


— Christina Wigger

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