Lachenmann Art

Jan Davidoff

Einbaum, 2015, 200x140cm, Mischtechnik auf LW
Zerrbach, 2015, 200x140cm, Mischtechnik auf LW Gerahmt
Zerrlauf, 2015, 200x140cm, Mischtechnik auf LW
Einbrand, 2015, 170x250cm, Mischtechnik auf LW
Stammschwärze, 2015, 170x250cm, Mischtechnik auf LW Gerahmt
Nachtsog, 2016, 170x250cm, Mischtechnik auf LW
Lichtranke, 2015, 80x80cm, Übermalter Reliefdruck auf Messing Gerahmt
Querstamm, 2015, 80x80cm, Übermalter Reliefdruck auf Messing Gerahmt
Überwachsen, 2015, 80x80cm, Übermalter Reliefdruck auf Messing Gerahmt
Jan Davidoff, Baumschau IV+VI +I, 2013 and 2014, overpainted reliefprint on brass
Jan Davidoff Aufgestellt,, 2015, 100x100cm, Übermalter Reliefdruck auf Messing, Lachenmann Art
Im Dunkel, 2015, 50x70cm, Übermalter reliefdruck auf Messing Gerahmt
Jan Davidoff  Glanzbaum, 2015, 30x20cm, Reliefdruck auf Messig bearbeitet,  Lachenmann Art
Tiefes Licht, 2015, 40x30cm, Überarbeiteter Lasercut auf Holz
Jan Davidoff, Hauptstamm, 2015, 40x30cm, Überarbeiteter Lasercut auf Holz, @ Lachenmann Art
Bird I, 2017, 29,21,5cm, Mischtechnik auf Papier
Bird II, 2017, 29,21,5cm, Mischtechnik auf Papier
Bird III, 2017, 29x21,5cm, Mischtechnik auf Papier
Bird IV, 2017, 29x21,5cm, Mischtechnik auf Papier
Bird V, 2017, 29x21,5cm, Mischtechnik auf Papier
Tree I, 2017, 29x21,5cm, Mischtechnik auf Papier
Tree II, 2017, 29x21,5cm, Mischtechnik auf Papier
Treehouse, 2017, 29x21,5cm, Mischtechnik auf Papier
Verspiegelt I, 2015, 30x20cm, Reliefdruck auf Messing Gerahmt
Spiegelschrift 1, 2015, 40x30cm, Übermalter Reliefdruck auf 24k Blattgold
Fensterwuchs, 2015, 40x50cm, Übermalter Reliefdruck auf Messing
Jan Davidoff Das Fenster, 2015, 30x30cm, Reliefdruck auf Messing,  Lachenmann Art
Jan Davidoff, Aufgewühlt, 2015, 50x40cm, overpainted reliefprint on brass (Messing)
Jan Davidoff, Dagegen, 50x40cm, 2015, overpainted reliefprint on brass (Messing)
Jan Davidoff, Talbach, 140x140cm, Mixed Media on Canvas, 2012
Jan Davidoff, Seek, 140x200cm, 2012, Mixed Media on Canvas
Zuwachs, 2013, 190x280cm, Mischtechnik auf LW
Zweig, 2016, 140x200cm, Mischtechnik auf LW
Jan Davidoff, Aufrecht, 250x170cm, 2015, Mixed Media on Canvas, @Lachenmann Art
Windung, 2015, 250x170cm, Mischtechnik auf LW gerahmt
Jan Davidoff, Stammgeäst, 250x170cm, 2015, Mixed Media on Canvas, @Lachenmann Art
Jan Davidoff, Ausblick, 2016, 140x140cm, Mischtechnik auf Leinwand @ Lachenmann Art
Schattenwald, 2017, 60x50cm, Mischtechnik auf LW, gerahmt
Jan Davidoff, Durchweg, 140x140cm, 2015, Mixed Media on Canvas, @ Lachenmann Art

Jan Davidoff's Solo Exhibitions at Lachenmann Art: From the rooftop and Vorzeichen

He was represented at the art fairs Kölner Liste 2016 and paper positions munich 2017

Jan Davidoff lives and works in Munich

born in 1976 in Norden, Germany


Education
2009 Diploma Akademie der Bildenden Künste München with Prof. Günter Förg - Malerei 1999 Fachoberschule für Gestaltung, München 1983 St. Martins – Canada educational journey to China, India, North- and Southamerica

Awards and Scholarships

Förderpreis der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien

Förderpreis ADAC (Sammlung Spuren)

Projektförderung Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.

Projektförderung Akademieverein

Kunstpreis Seligenstadt

Einbrand

Explosionsartig breiten sich intensives Rot und feuerwarmes Gelb auf einem dunkelblauen Farbgrund aus. Dicke Farbklekse, grobe Spritzer und Schlieren liegen in mehreren Schichten übereinander und bilden auf außergewöhnlich dynamische Art und Weise den Hintergrund des Werkes Einbrand von Jan Davidoff, welches bildfüllend zwei alte Baumstämme zeigt. Die überwältigende Energie und Wärme, die von der 170 x 250 Meter großen Leinwand strahlt, wird durch die hochglänzende Plastizität der Hintergrundfarben verstärkt. Der Malprozess stellt sich an jeder Stelle des abstrakten Untergrundes deutlich aus und bestimmt so maßgeblich die Gesamtwirkung des Werks: Mittels der aus dem amerikanischen action painting stammenden Technik des Drippings wurde Farbe auf die am Boden liegende Leinwand getropft, das stochastische Element, welches diese Technik forciert, ist dabei indentiert und essenziell. So zelebriert das Werk die Textur und Eigenheiten der Farbe und nutzt zusätzlich die Komplementarität der Farben gelb-orange und blau, um die Farbgewalt zu intensivieren. Sowohl die Struktur des Farbauftrags, als auch die Farbigkeit selbst stimulieren den Sehsinn des Betrachters und lösen ein neuronales Feuerwerk aus.

Den Vordergrund bilden konträr dazu zwei in mattem Schwarz und Weiß gehaltene Baumstämme, deren unterschiedlich große Äste in alle Himmelsrichtungen streben. Weder Wurzeln noch Baumkronen sind auf dem gewählten Ausschnitt zu erkennen, die weißliche Rinde erinnert an die einer Birke, doch der hohe Schwarzanteil und die Blattlosigkeit lösen das unbehaglich Gefühl und die sinistere Ahnung aus, dass Gefahr im Verzug sein könnte: Der Brand steckt nicht nur im Titel, sondern scheinbar auch im wie Feuer lodernden Hintergrund. In eine Landschaft übersetzt scheint der Nachthimmel in Flammen zu stehen, die Bäume muten längst verbrannt und tot an. Bemerkenswert zeigt sich die Tatsache, dass sie trotzdem mächtig und stolz dastehen, sie erscheinen wehrhaft und zäh, was der bedeutsam matte Farbauftrag der Rinde unterstützt. Die vereinzelten, winzigen, gelben Kreise fliegen währenddessen wie Funken umher und verbinden malerisch beide Ebenen miteinander.

Betrachtet man die Leinwandarbeit aus der Nähe, löst sich die in der Fernsicht noch so eindeutige Figuration auf. Die Rinde zerfällt in fein gemalte Linien, die wirre Strukturen ausbilden, wie ein Labyrinth aus feinen Verästelungen, das unzählige Assoziationen vom Craquelé bis hin zu neuronalen Strukturen auslöst. So schlummern in dem Werk gleich mehrere Landschaftsbilder in einem. Die Divergenz zwischen Vorder- und Hintergrund sowie zwischen Fern- und Nahsicht multipliziert die Bedeutungsebenen und so erschafft Jan Davidoff eine eindrucksvolle und bedeutende Variante der zeitgenössischen Landschaftsmalerei.

 

 —  Christina Wigger

Einbrand

 

Intense red and flame-warm yellow spread explosively on a dark blue background. Thick colour gels, coarse splashes and streaks lie on top of each other in several layers. They form the background of the work Einbrand by Jan Davidoff, which shows two old tree trunks filling the picture. The overwhelming energy and warmth radiating from the 170 x 250 metre canvas is enhanced by the high-gloss plasticity of the background colours. The process of painting is clearly visible at every point on the abstract subsoil and thus decisively determines the overall effect of this piece of work: by means of the technique of dripping paint from American action painting, paint has been dripped onto the canvas lying on the ground, the stochastic element that forces this technique is indentified and essential. In this way, the work celebrates the texture and peculiarities of colour. It also uses the complementarity of colours yellow-orange and blue to intensify the power of colour. Both the structure of paint application and the colorfulness itself stimulate the viewer's sense of sight and trigger neural fireworks.

Contrary to this, the foreground is formed by two tree trunks in matte black and white, whose branches of varying sizes reach in all directions. Neither roots nor treetops can be seen on the selected excerpt, the whitish bark is reminiscent of that of a birch, but the high black content and leaflessness evoke an uneasy feeling and a sinister sense of suspicion that danger could be in arrears: fire is not only included in the title (Einbrand in engl.: co-fired), but also in the background that seems to be blazing like fire. Translated into landscape, the night sky seems to be in flames, the trees seem burned and dead long ago. Remarkable is the fact that they are still powerful and proud, they appear to be strong and tough, which is supported by the significant matte colour application of the bark. Meanwhile, the isolated, tiny, yellow circles fly around like sparks and painterly connect the two levels.

If you take a close look at the art work, it dissolves in the distant view, no matter how unambiguous it is. The bark disintegrates into delicately painted lines that form confusing structures, like a labyrinth of fine branches that evokes countless associations from craquelé to neuronal structures. In this work, there are several landscapes in one. The divergence between foreground and background as well as between distant and close-up views multiplies the levels of meaning and so Jan Davidoff creates an impressive and significant variant of contemporary landscape painting.

 

  —  Christina Wigger

Natur — Jan Davidoffs Bilder sind unverkennbar, figurativ, kraftvoll und hier tatsächlich allgegenwärtig: Pflanzen — oft im Streiflicht — erobern sich Raum. Manchmal verharren sie allein im Portrait, manchmal in Gruppen, manchmal wirken sie geradezu verloren in ihrer vegetabilen Gesellschaft. Licht spielt in den Baumkronen. Mächtige Stämme werfen lange Schatten. Die Darstellung der Szenerie treibt der Künstler zuweilen ins Schablonenhafte. Er isoliert Formen, lässt Flächen auseinanderdriften, bis an die Grenze, an der die Wahrnehmung kippt. Wäre unser Sehsinn nicht stets bestrebt, das Vernommene sinnvoll zu ergänzen, würde bereits Dechiffriertes wieder zu abstrakten Zeichen. Die Komplexität von Davidoffs Gemälden zeigt sich entsprechend am deutlichsten, wenn man die Gewissheit des Bildmotivs verlässt, vom Betrachter zum Beobachter wird. Dann registriert das Auge seismographisch An- und Abwesendheit von Farbe als Material. Es erkennt Widerstände und Verwerfungen, vernimmt Brüche, Verletzungen, auch weiche Verläufe hin zu zarter Transparenz. Ohne die Erwartung, wer Raum zu bezeichnen oder ihn unbestimmt zu lassen hat, begleitet der Blick das Schwarz in unermessliche Tiefe und das Weiß in intensive Brillanz. Jan Davidoff reduziert Farbe in vielen seiner Landschaften auf Grundtöne, konzentriert sie auf Flecken von Konfettigröße oder legt sie als tönenden Farbfilter über das Bild, denn weniger die Farbe als vielmehr das Licht verlangt nach Aufmerksamkeit. Dramatisch, gleißend, kontrastreich, quasi als Prototyp einer Erinnerung im Schwarz/ Weiß-Negativ taucht es auf. Es flackert, es flirrt. Es verwirrt mit abrupter Abwesenheit. Es blendet grell, doch im nächsten Moment schon gleitet es sanft über in zauberische Nebel, jede grobe Schärfe durch vaporisierende Flüchtigkeit mildernd. Unter Davidoffs Lichtführung entstehen Schattenbilder der Realität. Ihm auf unvoreingenommenem Weg in seine Bildwelten zu folgen, hat in der Tat Expeditionscharakter. Er führt leichtfüßig, fast unmerklich über den gewohnten Horizont hinaus.

 

 —  Julia Lachenmann, München

Nature – Jan Davidoff's pictures are distinctive, representational, powerful and actually omnipresent: plants – often in grazing light – occupy space. Sometimes they remain solitary in a portrait, sometimes in groups, sometimes appearing almost lost in their vegetal company. Light playfully reflects off the treetops. Mighty tree stems are throwing long shadows. In some cases the artist utilises stereotypes to depict his sceneries. He isolates shapes, lets surface areas drift apart right to the edge where perception changes. If our sense of vision was not always striving to sensibly complete the perceived anything already deciphered would turn into abstract signs again. The complexity of Jan Davidoff's paintings shows best when leaving the certainty of the painting's subject; turning from viewer to observer. This is when the eye registers the presence or absence of colour as a material like a seismograph. It recognises resistance and faults, perceiving fractures, damages as well as subtle flows up to tender transparency. Without the expectation of anyone to define or not define the space our looks follow the black into vast depths and the white into intense brilliance. In many of his landscapes Jan Davidoff restricts himself to basic colours, concentrating on spots the size of confetti or putting a colour-filter on top of the picture. For it is rather the light than the colour longing for attention. Dramatic, blazing, rich in contrast, quasi appearing as prototype of a memory in black-white negative. Flickering, shimmering. It distracts with sudden absence. At first it dazzles but in the very next moment it softly slides over into magical mist, mellowing any rugged definition with vaporising elusiveness. Through Jan Davidoff's way of guiding the light silhouettes of reality originate. Impartially following him into his imagery has expeditionary traits in deed. Light-footedly, almost indiscernibly, he leads beyond accustomed horizons.

 

—  Julia Lachenmann, Munich

Architektur — Romanische sakrale Bauten, eine gotische Kirchenfassade, klassische und klassizistische Prunkbauten, die Straßenansicht eines (post-)modernen Wohnhauses – die von Jan Davidoff gewählten Sujets seiner Architekturserie zeigen deutlich seine Fähigkeit, sich mit mehr als der bloßen konstruktiven Seite der Architektur auseinander zu setzen. Er bricht diese Komponente auf und fügt den dargestellten Bauwerken etwas hinzu, das sie im Laufe der Zeit verloren haben, gibt ihnen ihren Sinn zurück. Die Kathedrale, gesehen durch die letzten Bäume eines Waldes im Dämmerlicht wird wieder zum mystischen Ort. Das sakrale Rundfenster, seines Farbenspiels entledigt, führt uns die schöne Unendlichkeit der Geometrie vor Augen, das Bach´sche der Fuge, das Philosophische, das „alles führt zum Ursprung zurück“. Der Ausschnitt des klassischen Rundbogenbaus zeigt sich vor glutrot-schwarzem Himmel surreal, machtvoll und extrem inszeniert.

Jan Davidoff erobert die Bildinhalte. Mächtig und teilweise einschüchternd präsentiert er Bauwerke meist aus der Frosch-Perspektive, sie bauen sich kolossal vor dem Betrachter auf, ragen in den Himmel, berühren die Wolken. Meist wehen Äste mit Blättern ins Bild, wie durch einen Windstoß zufällig an ihre Stelle drapiert, verleihen der strengen Architektur etwas Weiches, setzen in Relation. Die Hintergründe und Farbkompositionen, die er wählt, sind vielfältig. Der blaue Sommerhimmel ist ebenso präsent wie der Weiße eines Januartages, die untergehende Sonne verleiht dem einen Werk etwas Sehnsuchtsvolles, schwarze, sich auftürmende Gewitterwolken künden auf dem anderen von dem herannahenden Sturm.

Durch das kraftvolle Zusammenspiel von Hintergrund, Perspektive und dargestelltem Bauwerk befreit der Künstler es von dem überflüssigem Tand, welchen es mit der Zeit erhalten hat: die Kirche wird ohne Souvenirverkäufer, der Prunkbau ohne davor stehendem Kiosk, ohne Touristenshop dargestellt. Dankbar wandert das Auge des Betrachters über die Bilder, bedächtig, aufmerksam, Details erforschend, zum Wieder-Entdecker werdend. 

Architektur — Romanesque sacred buildings, a Gothic church facade, ancient and classicistic magnificent buildings, the street-scape of a (post-)modern residential house – the subjects Jan Davidoff chose for his architectural series clearly show his ability of dealing with more than the mere constructive side of architecture. He breaks open that component superimposing something on the structures depicted which they had lost in the course of time, giving them back their meaning. The cathedral, viewed from behind the last trees of a forest in twilight again becomes a mystical place. The sacral oculus, disposed of its play of colours, visualises the beautiful infinity of geometry, the Bach-like of the fugue, the philosophical, the ''everything leads back to the origins''. The extract of the classical circular arc presents itself surreal, powerful and extremely staged in front of glowing red skies.

Jan Davidoff conquers picture contents. Mighty and in parts intimidating he presents buildings from a low-angle perspective. They are planted enormously in front of the observer,  towering up to the sky, touching clouds. For the most part branches and leaves wave into the picture. As if coincidentally draped into place by a gust of wind they provide the strict architecture with some silkiness, putting into perspective. The backgrounds and colour compositions he chooses are manifold. The blue summer sky is just as present as the white sky of a January day. - The setting sun gives the one work something yearning while in the other black towering thunderclouds bear witness to an approaching storm.

Through the powerful synergy of background, angle and represented structure the artist frees it of redundant trinkets which have been given to it over time: the church is depicted without the souvenir-selling salesman, the magnificent building without kiosk in front, without a shop for tourists. Gratefully the observer's eye roams over the pictures, thoughtfully, investigating details, becoming a re-discoverer.

 

Menschenmenge — Begeisterte Menschen, aufgebracht, aufgewühlt, energisch, verärgert, mitgerissen, vereinzelt Flaggen und Banner in die Luft haltend – das gesamte Kaleidoskop der menschlichen Emotion ist auf den Reliefdrucken auf Messing, Stahl und Kupfer von Jan Davidoff zu entdecken. Der helle, leuchtende Farbton des metallischen Untergrundes verleiht jeder Szenerie eine eindringliche Dynamik und verstärkt die Emotionalität des Momentes, der sich der Betrachter nicht entziehen kann. Einzigartig und eindrucksvoll versteht es der Künstler, jede dargestellte Menschenmenge als pulsierende Kraft darzustellen. Der Fokus liegt eindeutig nicht auf dem Einzelnen, sondern auf der Bewegung der Masse, denn das einzelne Individuum verschmilzt mit der Menge, geht in ihr unter, wird eins mit der Bewegung.

„Statement“, „Streumenge“, „Menschenzug“, „Treff“, „Überrannt“, „Überläufer“ – sind einige Titel der Werkreihe, die Jan Davidoff hier präsentiert. Schon diese Titel führen vor Augen, dass in jeder einzelnen Szene alles passieren und zugrunde liegen kann: ein Überfall, eine Demonstration, ein Putschplan, ein Attentat, ein Komplott, eine Verschwörung, eine Kundgebung, ein Pop-Konzert, ein Kirchentag, ein Papstbesuch. Denn ersichtlich ist es nicht: Banner und Flaggen sind unkenntlich gemacht, die Bilder solcher Menschenaufläufe sind jedoch jedem bekannt, bedürfen aber der Interpretation und werfen Fragen auf: wenn es eine Demonstration ist, wogegen wird demonstriert? Wenn eine Verschwörung, dann wogegen? Wenn ein Pop-Konzert, dann von wem?

Ist es eine freundlich gesinnte oder eine aufgebrachte Menschenmenge? Zu einem neuen ganzen Organismus verbunden, vernetzt, jedoch immer ausschnitthaft.

Sich in das einzelne Bild versenkend, sich mit einer der dargestellten Personen identifizierend, spürt der Betrachter förmlich den Atem und die Körperwärme der Menschen neben sich, denen er womöglich gar nicht so nah kommen möchte. Hört mit zunehmender Dynamik das anschwellende Geräusch von stampfenden Füßen, den Lärm um sich herum, die Intensität der Gruppendynamik wird nahezu körperlich erfahrbar, holt den Betrachter an seinem Standpunkt ab. Ist er Revolutionär oder gar Anführer, besucht er ein Konzert oder eine Demonstration, ist er begeistert oder aufgebracht?

Effekte und Überraschungen nicht scheuend, zeigt Jan Davidoff nicht nur unterschiedliche Formate, sondern auch unterschiedliche Betrachtungswinkel und Distanzen. Teils wie durch ein Fernrohr, teils wie gesprengt, teils stark vergrößert, überlässt er dem Betrachter die Wahl des Standpunktes und Standortes, von welchem aus dieser die Szene wahrnimmt, als Teil der Menge oder aus der Ferne sie beobachtend.

Dem Konkreten und sofort Erkennbaren setzt Jan Davidoff das Vage entgegen, zeigt eine Momentaufnahme, denn in der nächsten Sekunde kann die Szenerie wieder eine neue, eine andere sein. 

Menschenmenge — Enthusiastic people, upset, agitated, energetic, disgruntled, carried away, the occasional flag and banner held up – the whole kaleidoscope of human emotion is to be discovered in Jan Davidoff's relief prints on brass, steel and copper. The bright, shiny colour hue of the metallic subsurface provides any scenery with haunting dynamics intensifying the emotionality of the moment the observer cannot escape. In a unique and impressive way the artist knows how to depict any crowd as a pulsating force. Obviously the focus is not on the individual but on the movement of the mass as the individual merges with the crowd, perishing, becoming one with the movement.

„Statement“, „Streumenge“, „Menschenzug“, „Treff“, „Überrannt“, „Überläufer“ –  are some titles of Jan Davidoff's series of work. Those titles alone visualise that in any given scene anything can happen based upon anything: a raid, a demonstration, a coup, an assassination, a plot, a conspiracy, an announcement, a pop concert, a church congress, a papal visit. For evident it is not: banners and flags are blurred, though the images of such confluences of people are widely known however need interpreting and give rise to questions: if it is a demonstration what is being demonstrated against? If it is a conspiracy, then against what? If a pop concert, then by who?

Is the crowd friendly or furious? Combined into an all new organism, interconnected, yet always merely in extracts.

Immersing oneself in a particular picture, identifying with the persons shown, the observers may downright feel the breath and body warmth of the people around they possibly would not even want to get that close to. With increasing dynamics they hear the rising sound of stamping feet and the noise around. The intensity of group dynamics almost becomes physically experienceable, meeting observers wherever they are. Are they revolutionaries or even leaders, are they attending a concert or a rally, are they enthusiastic or upset?

Not shying away from ramifications or surprises Jan Davidoff not only shows various kind of dimensions but different angles of vision and distances. Partly as if through a telescope, partly as if burst open, partly greatly enlarged he leaves it up to the observer to choose the point of view and viewpoint from where to perceive that scene – either as part of the crowd or observing from afar.

Jan Davidoff counters the precise and promptly perceptible with vagueness, showing a snapshot as in the very next second the scenery could change completely to something new, something different.

Solo Exhibitions (Selection)

Year Title

Location

2017 Vorzeichen

Lachenmann Art

Konstanz

2016 SOG Galerie Maurer
Frankfurt/Main
2016 Opening Galerie Tore Suessbier
Berlin
2015 #fromwhereistand Galerie Andreas Binder
München
2015

ESKFF

Residency

New York

2015

From The Rooftop

Lachenmann Art
Konstanz
2014

Inside

Galerie Maurer

Frankfurt/Main

2013 Bridging a Gap

Galerie Andreas Binder

München

2013 Einsicht Landschaftsmuseum
Seligenstadt
2013 Naturalisation

TS art projects

Berlin

2012  Naturalisation

Galerie Maurer

Frankfurt/Main 

2012 Hide’n’Seek

TS art projects

Berlin

2012  Black’n’white

Kunstverein Stellwerk

Diessen

2011 Ruf der Menge

Kunstclub Hamburg

Hamburg

2011  Neue Bilder

Galerie Maurer

Frankfurt/Main

2011 Davidoff meets Polke

Galerie Terminus

München

2010 Flüchtling

Galerie Getreidegasse

Salzburg

Österreich

2009 Überfüllung

Aando Fine Art

Berlin

2009 Neue Werke

Galerie Schöneck

Basel

2009  Crossing

Galerie Terminus

München

2008 black’n’gold

Galerie Maurer

Frankfurt/Main

2008 black’n’gold

mbf Kunstprojekte

Freiburg

2008 One Artist Show

Galerie Maurer

Art Karlsruhe 

Group Exhibitions (Selection)

Year Title Location
2016 Opening Galerie Tore Suessbier
Berlin
2016 Absolute Präsens

Galerie Nir Altmann

München

2016 claire obscure

Galerie Andreas Binder

München

2016 Künstler der Galerie

Galerie Thomas Modern
München

2015 40yeatr

Gallery Hal Bromm

New York

2015 Times lies

KIK SEVEN

Berlin

2015 POtPourri

Galerie Thomas Modern

München

2015 ESKFF

MANA CONTEMPORARY

New Jersey

2014 paperworks TS artprojects
Berlin
 2014 Gastspiel

Galerie Thomas Modern München

Kunstclub

Hamburg

ZK Gallery

San Francisco

2014

summertime sadness

Kunsthaus Aaart Foundation

Kitzbühel

2013  Munichmodern, Wunderland Aaart Foundation Kitzbühel
2013 2x2

Eileen S. Kaminsky Family Foundation

New York 

2013 Power of Glas

Van Treeck Bayerische Hofglasmalerei

München 

2012   First Choice

Galerie Terminus

München

2012 Summertime 3

Galerie Maurer

Frankfurt/Main 

2012 Abstract realities

Studios of Key West

Key West

USA

2012 Delikatessen

Stadtgalerie Altötting

Altötting

2011 Les Fleurs du Mal

Munich Modern

München

2011 11 München
2010

Summertime 2

Galerie Maurer

Frankfurt/Main 

2010 Jahresgaben

Essenheimer Kunstverein

Essenheim

2009 Künstler der Galerie

Galerie Terminus

München

2009 Künstler der Galerie

Galerie Biedermann

München

2009 Architekturen

Frankfurter Kunstkabinett

Frankfurt/Main

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Galerie Konstanz

Reichenaustraße 53
D 78467 Konstanz

+49 7531 369 1371

Öffnungszeiten
Mi—Sa 11—17h
+ nach Vereinbarung

office@lachenmann-art.com

Galerie Frankfurt

Hinter der schönen Aussicht 9

60311 Frankfurt am Main

Tel +49 (0) 69 7689 1811

Öffnungszeiten
Mi—Sa 12—18h
+ nach Vereinbarung

frankfurt@lachenmann-art.com

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