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Verwurzelt

Jan Davidoff: verwurzelt / Ausstellung Zeitgenössische Kunst Konstanz Bodensee
Installation View, Jan Davidoff, Verwurzelt, Lachenmann Art Konstanz
Installation View, Danil Yordanov, a chromatic, Lachenmann Art Frankfurt 2
Installation View, Jan Davidoff, Verwurzelt, Lachenmann Art Konstanz
Installation View, Jan Davidoff, Verwurzelt, Lachenmann Art Konstanz
Installation View, Jan Davidoff, Verwurzelt, Lachenmann Art Konstanz
Jan Davidoff: verwurzelt / Ausstellung Zeitgenössische Kunst Konstanz Bodensee
Jan Davidoff, Verwurzelt, 2020 160x120cm, Mischtechnik auf Leinwand, Zeitgenössische Kunst Konstanz, Bodensee, Galerie

›Verwurzelt‹

Jan Davidoff          works 

Konstanz 03/06/2020—11/07/2020

Betrachtet man das für die Ausstellung ›Verwurzelt‹ titelgebende Bild des Münchner Künstlers Jan Davidoff, denkt man fast unwillkürlich an die (fälschlicherweise) Johann Wolfgang von Goethe zugesprochene Sentenz von den Wurzeln und Flügeln, die ein Mensch braucht, um ein glückliches Leben führen zu können. Der Baum, von dessen Wurzeln aus der Betrachter perspektivisch nach oben gelenkt wird, gleicht einer Verbindung zwischen Himmel und Erde. Sein Geäst, das feingliedrig nach oben und zur Seite wächst, vermengt sich mit der ihn umgebenden Baumkrone. Der Blick des Betrachters wird dabei geleitet von einer Vielzahl an Anhaltspunkten, die das Auge an unerwartete Orte lenken. Koordinaten in Form von Glanzlichtern und Punkten, kleine Löcher und Ritzen, durch die das Licht hindurchschimmert, Linienstränge und Verästelungen lassen Abstraktion und Figürlichkeit ineinander verschmelzen. Dies ist vor allem auf die Technik des Malers zurückzuführen, der mit dieser Gegensätzlichkeit spielt, indem er nur auf den ersten Blick Realitäten darstellt, die aber schnell von vielen subjektiven Schichten überlagert werden. Die Arbeiten Jan Davidoffs, denen meist Fotografien als Grundlage dienen, entstehen mithilfe unterschiedlicher Techniken, mit Farben, Beizen, Lacken auf verschiedenen Trägermaterialien, in etwa auf Leinwand oder Messingplatten, wobei das Dargestellte auf mannigfaltige Weise verfremdet wird. Die auf diese Weise im Kopf des Betrachters erzeugten Gebilde werden bei jedem Blick neu aufgelöst, neu gruppiert und verweisen so immer wieder auf das große Thema das Malers: die Natur und die Spuren, die der Mensch in ihr hinterlässt. Dass der Mensch hierbei weniger als Individuum, sondern in seinem Agieren als gemeinschaftliches Wesen erscheint, kommt vor allem in den Arbeiten mit Menschenmassen zum Ausdruck. Auch hier wird schnell deutlich, dass der Einzelne in immer neuen Konstellationen hervortritt - steht er in einem Augenblick durch das Farbspiel im Vordergrund, erscheint er im nächsten längst überlagert von anderen oder löst sich sogar im Zusammenspiel abstrakter Formen ganz auf. Natur- und Menschendarstellungen stehen im Werk Davidoffs häufig im Zentrum, stellen dabei aber keineswegs einen Gegensatz dar, sondern sind Teile eines Ganzen. Die im 21. Jahrhundert fast nur noch als Kulturlandschaft vorhandene, von Menschen geformte und gebändigte Natur zeigt durch ihre menschengeschaffenen Widersprüche das, was Jan Davidoff in seiner Arbeit immer wieder fasziniert. Nicht zuletzt entspringt dieser Faszination die Analogie zum menschlichen Dasein, wie es sich in ›Verwurzelt‹ zeigt.

If you look at the picture by the Munich artist Jan Davidoff, which gives the exhibition ›Verwurzelt‹ (›Rooted‹) its title, you almost involuntarily think of the aphorism (wrongly) attributed to Johann Wolfgang von Goethe about the roots and wings that a person needs in order to lead a happy life. The tree, from whose roots the observer is directed upwards in perspective, resembles a connection between heaven and earth. Its branches, which grow upwards and sideways in a delicate manner, blend with the surrounding tree crown. The viewer's gaze is guided by a multitude of clues that direct the eye to unexpected places. Coordinates in the form of highlights and dots, small holes and cracks through which the light shimmers, strands of lines and ramifications allow abstraction and figurativeness to merge. This is mainly due to the technique of the painter, who plays with this dichotomy by representing realities only at first glance, but which are quickly overlaid by many subjective layers. Jan Davidoff's works, most of which are based on photographs, are created using various techniques, with paints, stains and varnishes on various support materials, for example canvas or brass plates, whereby what is depicted is alienated in a variety of ways. The objects thus created in the viewer's mind are dissolved and regrouped anew with every look, thus referring again and again to the painter's great theme: nature and the traces left by man in it. The fact that man appears here less as an individual than in his actions as a collective being is expressed above all in the works with crowds of people. Here, too, it quickly becomes clear that the individual emerges in ever new constellations - if he is in the foreground one moment through the play of colours, he appears in the next long since superimposed by others or even dissolves completely in the interplay of abstract forms. Depictions of nature and human beings are often central to Davidoff's work, but they are by no means opposites, but rather parts of a whole. Nature, which in the 21st century exists almost exclusively as a cultural landscape, shaped and tamed by man, shows through its man-made contradictions what Jan Davidoff is always fascinated by in his work. Last but not least, this fascination is the source of the analogy to human existence, as shown in ›Verwurzelt‹.

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