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Vanitas Fair

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Vanitas Fair
Selected works by / ausgewählte Arbeiten von

Nika Fontaine & Zohar Fraiman 
08.04.2017 —13.05.2017

Vorwort

Der Begriff ›Vanitas‹ kommt aus dem Lateinischen, bedeutet übersetzt ›leerer Schein‹ oder ›Vergeblichkeit‹ und steht in der jüdisch-christlichen Vorstellung für das Transitorische und die Vergänglichkeit alles Irdischen. Kunsthistorisch betrachtet erlebten Vanitas-Stillleben als Stilform der Stillleben-Malerei im Barock eine große Blüte. Die Vanitas-Symbole wie beispielsweise die Darstellung eines Totenschädels, einer Sanduhr, verwelkender Blumen oder einer erlöschenden Kerze sind häufig und beliebt gewesen und führten, in der Regel mit einer moralisierenden Intention, dem Betrachter die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen; sie zeigten auf, dass der Mensch keine (Entscheidungs-)Gewalt über das Leben hatte. Der Versuch, alles Irdische festzuhalten, ist nicht und war nie von Erfolg gekrönt, weshalb die Abbildung von etwas Irdischem, zum Beispiel der Schönheit der Jugend, Geld, Kostbarkeiten oder dem Bildnis des prallen Lebens, in Kombination mit der Darstellung eines Vanitas-Symbols durch die Gegenüberstellung eine Aufwertung erfuhr.

Weitere Symbole eines Vanitas-Stilllebens konnten, insbesondere in der niederländischen Malerei des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts, eine Taschenuhr sein, die das unaufhaltsame Verrinnen der Zeit verkörpern sollte. Des Weiteren Musikinstrumente, häufig eine Violine, deren hervorgebrachte Musik von einem Moment zum nächsten verklingt und somit vergänglich ist, eine Schreibfeder mit Tintenfass, welche gemeinsam dargestellt auf die Vergänglichkeit von literarischem Ruhm hinweisen konnten. Gerne trugen auch Tische oder Tischplatten, auf denen die Gegenstände sorgfältig arrangiert dargestellt wurden, Inschriften wie zum Beispiel ›nil omne‹ (alles ist nichtig). Allen Symbolen gemeinsam war der Fingerzeig auf die Nichtigkeit der weltlichen Werte wie Ruhm, Macht, Schönheit und Zeit, da sie allesamt Zeichen für die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens waren und die Relevanz einer Hinwendung zu Gott proklamierten.
 

Der Ursprung des Wortes ›Vanitas‹ lässt sich in einer Schrift des Alten Testaments (Buch Kohelet, Koh. 1,2) in einer Zusammenstellung von Lebensratschlägen und der Ermahnung zur richtigen Lebensweise finden. In der Antike wurde bereits die Vergänglichkeit und die Unaufhaltsamkeit des Lebens thematisiert (z.B. bei Heraklit: ›Panta rhei ‹= alles fließt), allerdings wurden in der Antike der menschliche Stolz und der damit häufig verbundenen Begierde nach irdischen Gütern noch nicht so scharf kritisiert und verfemt, wie es im Christentum üblich wurde. Während im Mittelalter die Narren häufig für Vanitas standen, weil sie das Lächerliche und Ungehörige darstellen durften, da sie selbst lächerlich und ungehörig waren, war grundsätzlich die Unwichtigkeit und Bedeutungslosigkeit jeder menschlichen Illustrierung ein Grundgedanke der christlichen Weltanschauung. Durch das Bekenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit als reuige Botschaft setzten sich mittelalterliche Darstellungen aller Art gegen diesen Gedanken durch. In der Renaissance wurde die Spannung zwischen Mittelalter und Moderne immer größer: die Zerrissenheit zwischen der Demut der Bevölkerung und ihrem aufkeimenden Selbstbewusstsein erreichte im Barock ihren Zenit. Im ausgehenden 18. Jahrhundert verlor die Demut im Zuge der Aufklärung ihre Vormachtstellung. Stolz und Eitelkeit mussten sich in der künstlerischen Darstellung nicht mehr rechtfertigen bzw. erniedrigen. In der heutigen Zeit ist die Einarbeitung von Vanitas-Symbolen in Kunst, Film, Musik und Literatur wieder en vogue.


Der englische Begriff ›fair‹ (Kirmes, Jahrmarkt, Kirchweih) bildet hier einen Ausgelassenheit und Freude verkörpernden Kontrapunkt. Beides ist in den Arbeiten von Zohar Fraiman und Nika Fontaine in großem Maße erlebbar. Wir freuen uns über die Realisierung dieser Doppelausstellung mit zwei international so erfolgreichen und herausragenden Künstlerinnen.

Preface

The term ›Vanitas‹ comes from the Latin word meaning ›empty semblance‹ or ›futility‹ and represents the Jewish/Christian concept for the impermanence of earthly being. From an art-historic point of view the Vanitas still life realised a huge peak as the style of the Baroque still life painting. The Vanitas symbols such as the presentation of a skull, an hourglass, wilting flowers or an extinguished candle are found often and much loved. With a moral intention they show life’s transience to the eye of the viewer; they demonstrate that humans have no (deciding) power over life. The attempt to capture everything earthly is not and never was a success. For this reason when something earthly such as the beauty of youth, money, treasures or a picture of a full life is shown together with a Vanitas symbol it is upgraded through the comparison.

A further symbol of the Vanitas still life, especially in the Dutch painting from the end of the 16th century, start of the 17th century, is the pocket-watch which represents the irreversible passage of time. Another symbol is music instruments, often a violin, whose music fades from one moment to another and is thus transient; a quill with inkwell which when presented together could emphasise the impermanence of literary fame. Often the tables or table tops used for displaying the carefully arranged objects were inscribed e.g. with ›nil omne‹ (Latin for ›all is void‹). All symbols together pointed to the invalidity of the worldly values such as fame, power, beauty and time as they were all signs of the impermanence of human life and proclaimed the relevance of turning to God.
 

The origin of the word ›Vanitas‹ can be found in an Old Testament book (Book of Ecclesiastes, Eccl 1,2) in a combination of advice for life and the warning for living correctly. In ancient times the impermanence and unstoppability of life was a subject of discussion (e.g. by Heraklit: ›Panta rhei‹ – everything flows); however in ancient times the human pride and the associated craving for earthly goods was not criticised as heavily as usual in Christianity. In the Middle Ages the clowns were responsible for Vanitas as they were able to show the humorous and offensive side of life because they themselves were humorous and offensive, whilst the unimportance and meaningless of each human illustration was a basic belief of Christian ideology. By confessing to their own insignificance the representations in the Middle Ages could prevail against these beliefs. In the Renaissance, the tension between the Middle Ages and Modern grew immensely: the inner conflict between the population’s humility and their developing self-confidence reached a peak in the Baroque age. The course of enlightenment towards the end of the 18th century caused humility to lose its supremacy. Pride and vanity no longer had to be justified or degraded in the artistic presentation. Today incorporating the Vanitas symbols in art, film, music and literature is once again in vogue.
 

The English term ›Fair‹ is a counterpoint which represents gaiety and happiness. Both can be witnessed to the full in the works of Zohar Fraiman and Nika Fontaine. We are pleased to present this double exhibition with two international and such successful artists.

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