Lachenmann Art

Musterknaben

Musterknaben Jirka Pfahl, Falk von Traubenberg 2015 @ Lachenmann Art
Musterknaben Jirka Pfahl, Falk von Traubenberg 2015 @ Lachenmann Art
Musterknaben Jirka Pfahl, Falk von Traubenberg 2015 @ Lachenmann Art
Musterknaben Jirka Pfahl, Falk von Traubenberg 2015 @ Lachenmann Art
Musterknaben Jirka Pfahl, Falk von Traubenberg  2015 @ Lachenmann Art
Musterknaben Jirka Pfahl, Falk von Traubenberg 2015 @ Lachenmann Art

Musterknaben zeigt ausgewählte Arbeiten von / shows selected works by

Jirka Pfahl und / and Falk von Traubenberg
6.6.—11.7.2015

Musterknaben – Die Dias erzählen ein ganzes Leben. Die Installation „The Cube“ umfasst mehr als 20 000 Kleinbild-Dias aus den Jahren 1957 bis 2000. Das gesamte Fotoarchiv einer Familie. Allein: kein einziges Motiv ist klar zu erkennen. Falk von Traubenberg hat die Dias in Einmachgläser gefüllt und fest verschlossen. Damit nähert sich der 1971 geborene Künstler dem Thema Portraitfotografie auf ungewöhnliche Weise. Der Betrachter sieht die Fülle der Dias, doch es ist an ihm, diese mit Bedeutung zu füllen. Was die Dias darstellen, muss vor dem inneren Auge des Betrachters imaginiert werden. Die echten Bilder entstehen erst in unserem Kopf.

Die Installation zeigt etwas, was im Detail nicht gesehen werden kann. Sensationelle Szenen sind, würde man die Einmachgläser öffnen, vermutlich nicht zu erwarten. Es dürfte sich um ein ganz normales Familienleben handeln. Fotos von Kindern, von Urlauben und Familienfeiern. Ein typisches Leben einer deutschen Durchschnittsfamilie. Darauf spielt auch der Titel der Installation – „schwarz rot gold“ – an. Von Traubenberg hat die Einmachgläser in drei mal drei Reihen angeordnet. Zwei Leuchtstoffröhren trennen die Dreierreihen und verstärken die Assoziation mit einer Fahne. Insgesamt misst die Arbeit stattliche neun Meter in der Länge.

Man kann von Traubenbergs Installation als Statement gegen den gläsernen Menschen und die Bilderflut unserer Zeit deuten. Der Künstler, der in Hamburg lebt und arbeitet, hat in Konstanz Architektur studiert. Neben weiteren kleineren Arbeiten, bei denen es ebenfalls um Einmachgläser und ihren nicht sichtbaren Inhalt – wiederum Dias – geht, findet sich in der Ausstellung noch eine zweite Werkgruppe. Hierfür setzt von Traubenberg Text bzw. Sprache in ein Bild um. Abstrakte Kompositionen entstehen. Welche Texte ihnen zugrunde liegen, bleibt offen.

Galeristin Juliane Lachenmann hat von Traubenberg den Leipziger Künstler Jirka Pfahl, Jahrgang 1976, an die Seite gestellt. Eine Kombination, die überzeugt, auch wenn die beiden Künstler letztlich nicht viel gemeinsam haben. Hinzu kommt ein griffiger Ausstellungstitel, der Neugierde und Aufmerksamkeit weckt. „Musterknaben“ fällt allein schon auf, weil auf dem deutschen Kunstmarkt deutsche Ausstellungstitel inzwischen zur absoluten Mangelware geworden sind. Warum eigentlich?

Um strenge Muster geht es in den Faltungen von Jirka Pfahl. Akkurate Faltungen gegeben seinen Arbeiten ein Raster vor. Doch die mathematisch strenge Form wird immer wieder aufgebrochen: durch das Licht, das auf die reliefartigen Faltungen trifft, und den Blickwinkel, der, sobald der Betrachter seine Position etwas variiert, die Ansicht des Kunstwerks immer wieder verändert. Spannende Muster entstehen auch durch die Farben, die den Bildgrund bilden.

Einen ganz anderen Charakter haben die Frottagen des Künstlers. Mit dieser klassischen Durchreibetechnik überträgt Pfahl die Rückseite eines alten Teppichs und schafft daraus ein riesiges Wandbild. Mit etwas Abstand ist das ursprüngliche Teppichmuster zumindest noch erahnbar. Am interessantesten sind jedoch die Arbeiten, in denen Pfahl die verschiedenen Techniken zusammenführt. Ein Siebdruck, eine Faltung, Frottage und Zeichnung. Für letztere benötigt der Leipziger Künstler keinen Stift. Stattdessen: Kabelbinder. Pfahl spielt mit den Materialien – und seien sie noch so gewöhnlich bzw. ungewöhnlich.

Zum Beispiel auch ein Hammer. Die aneinandergereihten Betonabgüsse von Hammerschlägen erzeugen eine erstaunliche Dynamik. Der Hammer ist das Symbol des Handwerks und der Arbeit und wurde von verschiedensten Regimen benutzt und ideologisch verunstaltet. Jirka Pfahl zeigt: auch rohe Gewalt kann zu einem Kunstwerk führen.

(Dr. Florian Weiland im Südkurier am 18.06.2015)

Musterknaben - The slides tell a whole life story. The installation "The Cube" contains more than 20,000 35mm slides from the years 1957 to 2000, the entire photo archive of one family. Alone: not a single motif is clearly visible. Falk von Traubenberg filled the slides into jars and closed them tightly. Born in 1971, the artist approaches portrait photography in an unusual way. The viewer sees the abundance of slides, but it is up to him to fill them with meaning. What the slides represent must be imagined in front of the viewer's inner eye. The real pictures are created in our minds.

The installation shows something that cannot be seen in detail. Sensational scenes are, one would probably not expect to open the preserving jars. It must be a normal family life. Photos of children, holidays and family celebrations. A typical life of an average German family. The title of the installation - "black red gold" - also alludes to this. Von Traubenberg has arranged the preserving jars in three by three rows. Two fluorescent tubes separate the rows of three and reinforce the association with a flag. Altogether, the work measures an impressive nine metres in length.

One can interpret von Traubenberg's installation as a statement against the glass man and the flood of images of our time. The artist, who lives and works in Hamburg, studied architecture in Constance. In addition to other smaller works, which also deal with preserving jars and their invisible content - again slides - the exhibition also contains a second group of works. For this purpose, Falk von Traubenberg transforms text or language into an image. Abstract compositions are created. The texts on which they are based remain unclear.

Gallery owner Juliane Lachenmann has put the Leipzig artist Jirka Pfahl, born in 1976, at his side. A combination that convinces even though the two artists do not have much in common. In addition, there is a catchy exhibition title that arouses curiosity and attention. "Musterknaben"is already noticeable because German exhibition titles have become an absolute scarce commodity on the German art market. Why actually?

The folding of Jirka Pfahl is about strict patterns. Accurate folds gave his works a grid. However, the mathematically strict form is repeatedly broken up: by the light that hits the relief-like folds and the angle of view, which, as soon as the viewer changes his or her position slightly, changes the view of the artwork again and again. Exciting patterns are also created by the colours that form the background.

The artist's frottages have a completely different character. With this classic rubbing technique, Pfahl transfers the back of an old carpet and uses it to create a huge mural. With a little distance the original carpet pattern is still visible. The most interesting works, however, are those in which Pfahl combines the different techniques. A silk-screen print, a fold, frottage and drawing. The Leipzig artist does not need a pencil for the latter. Instead: Cable ties. Pile plays with the materials - no matter how common or unusual they may be.

A hammer, for example. The lined-up concrete castings of hammer blows create an astonishing dynamic. The hammer is the symbol of craftsmanship and work and was used by various regimes and ideologically defaced. Jirka Pfahl shows that even brute force can lead to a work of art.

(Dr. Florian Weiland in: Südkurier on 18.06.2015)

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