Lachenmann Art

NACHWELT

Exhibition ›NACHWELT‹ @ Lachenmann Art Frankfurt Photo Credits Daniel Beyer
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Exhibition ›NACHWELT‹ @ Lachenmann Art Frankfurt Photo Credits Daniel Beyer
Exhibition ›NACHWELT‹ @ Lachenmann Art Frankfurt Photo Credits Daniel Beyer
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›NACHWELT‹

Agnes Lammert            works

Franziska Klotz             works

Jirka Pfahl                      works

Ronny Szillo                    works
 

Frankfurt 17/07/2021—15/10/2021

Die Ausstellung ›NACHWELT‹ in der Frankfurter Galerie Lachenmann Art beschäftigt sich mit der Frage, was von der Kunst und der künstlerischen Existenz im Falle eines dystopischen Ereignisses bestehen bleibt. In diesem Szenario blicken wir in eine Zukunft ohne den Menschen, jedoch mit all den Artefakten, die er hinterlassen hat. Jene imaginäre Dystopie ermöglicht dem Besucher, das menschliche Dasein aus einer scheinbaren Distanz zu betrachten und darüber den gegenwärtigen Seins-Zustand neu zu verstehen und zu beurteilen. In der Ausstellung ›NACHWELT‹ gewähren vier Künstler*innen Einblicke in ihre Reflexion und künstlerische Umsetzung zum Gedankenspiel einer potenziellen Nachwelt. 

The exhibition ›NACHWELT‹ at the Lachenmann Art Gallery in Frankfurt deals with the question of what remains of art and artistic existence in the hypothetical case of a dystopian event. In this scenario, we look into a future without human beings, but with all the artefacts they have left behind. This imaginary dystopia allows the visitor to look at human existence from a seeming distance and, through this, to understand and evaluate the present state of being anew. In the exhibition ›NACHWELT‹, four artists provide insights into their reflections on and artistic realisation of the thought game of a potential afterworld.

Die freihängenden Skulpturen von Agnes Lammert stehen für die Schwere einer Dystopie, die Vergänglichkeit und die darauffolgende Leichtigkeit. Der Künstlerin gelingt es mit der Arbeit ›Schwere‹, einen fiktiv leichten, durchlässigen Stoff, der die Formen eines Körpers umschmeichelt, zu gestalten. Die frei hängende Plastik, die sich in einer steten, sachten Bewegung befindet, erzeugt beim Betrachter Neugier und Faszination. Agnes Lammert versteht es ebenso, eine immanente Ambivalenz zwischen Materialbeschaffenheit und Wirkung ihrer Arbeit ›Kazé‹ zu verleihen. Die Empfindlichkeit des Materials Wachs der Temperatur gegenüber, bestätigt es als vergängliches, fragiles Artefakt eines kurzlebigen Zeitabschnittes. Das Zusammenspiel von scheinbarer Schwere und vorgeblicher Leichtigkeit spielt in der gegenseitigen Bedingung und Widersprüchlichkeit auf eine ungewisse Zukunft an, welche mit der Ausstellung hinterfragt werden kann. Was beschäftigt, was bleibt bestehen und was wird vergehen

Die Arbeit von Jirka Pfahl untersucht die Möglichkeiten und Grenzen eines blockchainbasierten Kunstwerkes, welches sich an den neuen digitalen Werten und Bewertungssystemen orientiert. Blockchain beschreibt eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen und lässt sich ins Unendliche fortführen. Die in dem verborgenen Netz des Computers existierende Verkettung bringt Jirka Pfahl in eine sichtbare Form. So bestehen seine Arbeiten aus gefalteten Formen, die wie ein Netz die gesamte Bildfläche einnehmen. In der ständigen Wiederholung einzelner Formen und ihrer Reproduzierbarkeit stoßen sie Gedanken über die Unendlichkeit an. Diese Arbeit soll stellvertretend stehen für die Errungenschaften der Technik, welche auch in einem dystopischen Szenario ohne menschliche Bevölkerung weiter existieren würden. Jirka Pfahl führt uns mit Hilfe seiner auf strengen Ordnungsregeln beruhenden Arbeiten vor Augen, dass der Mensch, der selbst endlich ist, unendliche Dinge erschaffen kann. Neben der rasanten technischen Entwicklung hat sich auch der menschliche Geist und Verstand gewandelt. Kritisches Denken gehört mehr denn je zum Zeitgeist. 

Jenem Zeitgeist widmet sich auch Franziska Klotz in einer ihrer Arbeiten, die unter anderem Teenager porträtiert, auf deren Generation sowohl schweres Erbe als auch große Hoffnung liegt. Die Kritik der jüngeren Generation wird zunehmend lauter, bestehende Konventionen zu überdenken. Den Ruf nach einem Umschwung der in Traditionen verhafteten Gesellschaft, greift Franziska Klotz in ihrer Position als Malerin auf. Bestehende und veraltete Ordnungen führen in eine düstere Zukunft, die Franziska Klotz in ihrem Werk ›Moorbrücke‹ verbildlicht. Der Drang, eine solche traditionsbedingte Konformität zu sprengen, wird im Werk ›Glass 1‹ über einen Sprung im Glas verdeutlicht. Franziska Klotz zeigt hier einen zerstörten Bildgrund, der die gesamte Fläche für sich in Anspruch nimmt und die ungewisse Positionierung in einer Welt der Umbrüche und Neurungen in Form von scheinbar spiegelnden Facetten zitiert. Einzelne Bruchteile, die sich einer Durchsicht verwehren, nehmen damit direkten Bezug auf jegliche Ungewissheiten einer Nachwelt. 

Die Skulpturen von Ronny Szillo stellen sich der spielerischen Frage, welche Gegenstände aus unserer heutigen Zeit ein zukünftiger Archäologe wohl finden würde. In direktem Vergleich zu historischen, aufsehenerregenden Grabfunden vergangener Zeit schafft Ronny Szillo schrill-bunte Fossilien der Zukunft. In Anlehnung an über Jahrtausende zusammengepresste Gesteinsschichten, in welchen versteinerte Schnecken und Pflanzen zu finden sind, umschließt der graue Beton bunte Sneaker, glitzernde Handyhüllen und Alltagsgegenstände wie Zahnbürsten. Keine handbemalten Keramikscherben oder antiken Werkzeuge werden Zeugnis unserer Zivilisation sein, sondern all jene scheinbar gewöhnlichen Objekte und Artefakte, die Ronny Szillo in einer argwöhnischen Reflexion des Anthropozäns verschmelzen lässt. Mit einem kritischen Augenzwinkern gibt der Künstler sich als Zukunftsvisionär zu erkennen, der nicht nur die multimediale Struktur unserer Zeit im Sinne einer ,,schönen neuen Welt" zu hinterfragen wagt, sondern sich auch kunstgeschichtlich in einen Dialog mit Materialbeschaffenheit und Handwerk begibt. Die Ästhetik des 21. Jahrhunderts wird von Ronny Szillo für die Nachwelt in Beton gegossen. 

Agnes Lammert's free-hanging sculptures symbolize the heaviness of a dystopia, transience and the lightness that follows. The artist succeeds with the work ›Schwere‹, a fictitiously light, permeable fabric that caresses the forms of a body. The freely hanging sculpture, which is in a constant, gentle movement, induces curiosity and fascination in the viewer. Agnes Lammert is equally adept at imbuing her work with ›Kazé's‹ immanent ambivalence between material texture and effect. The sensitivity of the material wax to temperature confirms it as a transient, fragile artifact of a short-lived time period. The interplay of apparent heaviness and pretended lightness, in their mutual condition and contradiction, alludes to an uncertain future that can be questioned with the exhibition. What occupies, what persists and what will fade away?

Jirka Pfahl's work explores the possibilities and limits of a blockchain-based artwork that is oriented towards the new digital values and valuation systems. Blockchain describes a continuously expandable list of data records and can be continued into infinity. Jirka Pfahl brings the interlinking that exists in the hidden network of the computer into a visible form. Thus his works are composed of folded forms that take up the entire picture surface like a net. In the constant repetition of individual forms and their reproducibility, they trigger thoughts about infinity. This work is meant to be representative of the achievements of technology, which would continue to exist even in a dystopian scenario without human population. With the help of his works based on strict rules of order, Jirka Pfahl shows us that man, who is himself finite, can create infinite things. Alongside the rapid technical development, the human spirit and mind have also changed. Critical thinking is more than ever part of the zeitgeist.

Franziska Klotz also focuses on this zeitgeist in one of her works, which portrays teenagers, among others, on whose generation lies both a heavy legacy and great hope. The criticism of the younger generation is becoming increasingly louder to rethink existing established conventions. Franziska Klotz embraces the demand for a change in society, which is bound up in tradition, in her position as a painter. Existing and outdated orders lead to a bleak future, which Franziska Klotz visualises in her work ›Moorbrücke‹. The urge to break with such traditional conformity is illustrated in the work ›Glass 1‹ by a crack in the glass. Here, Franziska Klotz shows a destroyed pictorial ground that claims the entire surface for itself and cites the uncertain positioning in a world of changes and innovations in the form of seemingly mirroring facets. Individual fragments that refuse to be seen through thus make direct reference to any uncertainties of a posterity.


Ronny Szillo's sculptures raise the playful question of which objects from our present time a future archaeologist would be likely to find. In direct comparison to historical, sensational grave finds of past times, Ronny Szillo creates garishly colourful fossils of the future. In reference to layers of rock pressed together over thousands of years, in which fossilised snails and plants can be found, the grey concrete encloses colourful sneakers, glittering mobile phone cases and everyday objects such as toothbrushes. No hand-painted ceramic shards or antique tools will bear witness to our civilisation, but all those seemingly everyday objects and artefacts that Ronny Szillo fuses into a suspicious reflection of the Anthropocene. With a critical wink, the artist reveals himself as a visionary of the future who not only dares to question the multimedia structure of our time in the sense of a "brave new world", but also enters into a dialogue with the history of art, the nature of materials and craftsmanship. The aesthetics of the 21st century are cast in concrete by Ronny Szillo for posterity. 

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