Lachenmann Art

Reifenberg

Reifenberg, Gabriele Tergit 33, 2018, Plastiktüte und Scotch tape, 129 x 88cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Bronislaw Huberman, 2018, Plastiktüte und Scotch tape, 110 x 80cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Benno, 2018, Plastiktüte und Scotch tape, 54 x 34cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Walter Benjamin, 2007, Plastiktüte und Scotch tape, 103 x 82cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Untitled with a Bag (long), 2017, Plastiktüte und Scotch tape, 176 x 26cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, White Trash (with handle I), 2016, Plastiktüte und Scotch tape, 134 x 56cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, American Oilfield, 2016, Plastiktüte und Scotch tape, 40 x 69cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Oileye, 2016, Plastiktüte und Sotch tape, 244 x 244cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Oil Spill, 2010, Plastiktüte und Scotch tape, 93 x 120cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Arabian Oilfield, 2016, Plastiktüte und Scotch tape, 64 x 46cm, Photocredits Wolfram Ziltz, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Untitled 161214, 2014, Plastiktüte und Scotch tape, 152 x 271cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Untitled with White, 2015, Plastiktüte und Scotch tape, 191 x 275 x 16cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Untitled 011210, 2010-2016, Plastiktüte und Scotch tape, 130 x 200cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Untitled 100415, 2015, Plastîktüte und Scotch tape, 130 x 200cm, Photocredits Wolfram Ziltz
Reifenberg, Untitled with red square, 2016, Plastiktüte und Sotch tape, 56 x 92cm, Photocredits Wolfram Ziltz

Reifenberg's Solo Exhibition at Lachenmann Art: Garbage Matters

Reifenberg lives and works in Berlin

born in 1960 in Haifa, Israel

Reifenberg studierte Philosophie der Ästhetik bei Gideon Ofrat in Tel-Aviv. Er verließ das Land während des Libanon-Krieges 1982 und bereiste Europa, Thailand und die Vereinigten Staaten von Amerika. Nachdem er längere Zeiträume in London, Bergen (Norwegen) und Amsterdam verbracht hatte, entschied er sich für Berlin als neuen festen Wohnsitz. Er ist Nachfahre einer prominenten ursprünglich Berliner jüdischen Familie und nicht nur mit Benno Reifenberg, dem früheren Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sondern auch mit der Journalistin und Schriftstellerin Gabriele Tergit verwandt.

In der Ausstellung ›Garbage Matters‹ zeigt der in Israel geborene Künstler Reifenberg Arbeiten, die aus Hunderten und Tausenden von manuell verkleinerten Plastiktüten-Fragmenten bestehen. Aus großer Entfernung betrachtet, könnten die Arbeiten den Eindruck eines Gemäldes erwecken, bei näherer Ansicht erkennt der Betrachter die durch hochwertiges Scotch-tape zusammengefügten kleinen Plastikschnipsel. 


Mit Reifenbergs Familie sowie berühmter weiterer Personen beschäftigt sich ein separater Raum der Ausstellung ›Garbage Matters‹. Hier warten in ruhiger und geschützter Atmosphäre Portraits der oben Genannten auf den Galeriebesucher. Ich sitze mit dem Künstler Reifenberg auf zwei Holzstühlen zwischen ihnen und wir sprechen über die Gesichter und die Geschichten der Personen, deren Abbilder auf einzigartige Art und Weise aus unzähligen Plastiktüten-Schnipseln von Reifenberg zusammengefügt, modelliert und erschaffen worden sind.


Die einzige Dame in der Runde ist die lächelnde Gabriele Tergit. Als Elise Hirschmann 1894 in Berlin geboren, studierte sie Geschichte, Philosophie und Soziologie in Berlin, Heidelberg, München und Frankfurt am Main; dort promovierte sie 1923. Als Studentin begann sie, unter dem Pseudonym Gabriele Tergit zu veröffentlichen. Sie heiratete ein paar Jahre danach den Architekten Heinz Reifenberg, bekam einen Sohn und etablierte sich u.a. als Gerichtsreporterin. Im Zuge dessen sah sie den ersten Prozess gegen Adolf Hitler und Joseph Goebbels mit an und wurde aufgrund der Reportage und weiterer Artikel direkt auf die Gegnerliste der Nazis gesetzt. Nach einem fehlgeschlagenen Überfall der NSDAP auf die Wohnung der Familie Reifenberg in Berlin floh diese über die Tschechoslowakei nach Palästina und verbrachte den Rest ihres Lebens im Exil.

Benno Reifenberg, Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland, der Goethe-Plakette, der Ehrenplakette und des Goethepreises der Stadt Frankfurt am Main war seit 1959 Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Bereits 1919 trat er in die Redaktion der Frankfurter Zeitung ein, war Ende der 1920er Jahre für das Feuilleton verantwortlich, hielt sich danach für zwei Jahre als Korrespondent in Paris auf und leitete bis 1943 die Politredaktion der damaligen ›FZ‹. Nach Kriegsende arbeiteten Benno Reifenberg und Andere zunächst wirkungslos an einer Wiedergründung der Zeitung, woraufhin er von 1945-1958 als Herausgeber der Zeitung ›Die Gegenwart‹ wirkte, bis diese 1958 in der FAZ aufging. Benno Reifenberg war nicht nur Journalist, Kunstkritiker und Schriftsteller, sondern galt auch als einer der tonangebenden Publizisten in Deutschland.

Bronislaw Huberman war ein hoch angesehener jüdischer Violinist, das Wunderkind seiner Zeit, der Anfang der 1880er Jahre in Polen das Licht der Welt erblickte. Er musizierte mit Pablo Casals, Ignaz Friedman und Wilhelm Furtwängler, gründete 1935 das Palestine Orchestra, aus welchem sich später das Isrealic Philharmonic Orchestra entwickelte. Seine Stradivari-Violine Gibson x Huberman, welche ihm zu Lebzeiten zweimal gestohlen wurde, wird heute von Joshua Bell gespielt.

Walter Benjamin wurde 1892 in Berlin als erstes Kind einer assimiliert-jüdische Familie geboren, war ein deutscher Philosoph und Kulturkritiker sowie Übersetzer der Werke von Marcel Proust, Charles Baudelaire und Honoré de Balzac. Er studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Freiburg und Berlin, promovierte 1919 in Bern und ging 1923/24 mit dem Wunsch nach Frankfurt am Main, dort zu habilitieren. In Frankfurt traf er Theodor W. Adorno (deren Briefwechsel noch erhalten ist) und weitere Mitglieder der ›Frankfurter Schule‹ und lieferte bedeutende Beiträge an das Institut zur Sozialforschung der Johann Wolfgang Goethe Universität.

Das verbindende Element zwischen den Arbeiten, welche die Portraits und jenen, die mit Plastik verschmutzte Meere und Müllhalden zeigen, ist zum einen der Künstler und zum anderen die unnachahmliche Technik, die er über viele Jahre hinweg weiterentwickelt und perfektioniert hat. Wir wollen auf die konsequente Zerstörung unserer eigenen Existenzgrundlage, einer gesunden und intakten Natur, hinweisen und tun dies mit der Präsentation einer herausragenden künstlerischen Position.


–Juliane Lachenmann

Reifenberg studied the philosophy of aesthetics with Gideon Ofrat in Tel-Aviv. He left the country during the Lebanon War in 1982 and went to Europe, Thailand and the United States of America. After spending long periods of time in London, Bergen (Norway) and Amsterdam, he decided to settle in Berlin. He is the descendant of a prominent Jewish family originally from Berlin and is related not only to Benno Reifenberg, the former editor of the Frankfurter Allgemeine Zeitung, but also to the journalist and writer Gabriele Tergit.

In the exhibition ›Garbage Matters‹, the Israeli-born artist Reifenberg shows works consisting of hundreds and thousands of manually cut-out plastic bag fragments. Viewed from a great distance, the works could give the impression of a painting; on closer look, the beholder sees the small plastic snippets are joined together by high-quality scotch tape just like brushstrokes.


Reifenberg‘s family and other famous people are the subject of a separate room in the exhibition. Here, their portraits await the gallery visitor in a quiet and protected atmosphere. I sit with the artist Reifenberg on two wooden chairs and we talk about the faces and the stories of the people whose images have been gathered there, modelled and created by Reifenberg in the same unique way from countless plastic bag snippets.

 

The only lady in the group is the smiling Gabriele Tergit. Born Elise Hirschmann in Berlin in 1894, she studied history, philosophy and sociology in Berlin, Heidelberg, Munich and Frankfurt am Main, where she received her doctorate in 1923. As a student she began publishing under the pseudonym Gabriele Tergit. A few years later she married the architect Heinz Reifenberg, had a son and established herself as a court reporter. In the course of this she witnessed the first trial of Adolf Hitler and Joseph Goebbels and due to her reportage and other articles was put directly on the Nazi list of opponents. After a failed attack on the Reifenberg family’s apartment in Berlin by the NSDAP, they fled via Czechoslovakia to Palestine and spent the rest of their lives in exile.

Benno Reifenberg, winner of the Grand Cross of Merit of the Federal Republic of Germany, the Goethe Plaque, the Plaque of Honour and the Goethe Prize of the City of Frankfurt am Main, was co-editor of the Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) from 1959. He joined the editorial staff of the Frankfurter Zeitung as early as 1919, was responsible for the Feuilleton at the end of the 1920s, then spent two years as a correspondent in Paris and headed the political editorial office of the then ›FZ‹ until 1943. After the war ended, Benno Reifenberg and others worked initially ineffectively on re-founding the newspaper, whereupon he served as editor of the newspaper ›Die Gegenwart‹ from 1945 to 1958, until it merged with the FAZ in 1958. Benno Reifenberg was not only a journalist, art critic and writer, but was also one of the leading publicists in Germany.

Bronisław Huberman was a highly respected Jewish violinist, the prodigy of his time, who came into the world in Poland in the early 1880s. He played with Pablo Casals, Ignaz Friedman and Wilhelm Furtwängler and founded the Palestine Orchestra in 1935, which later developed into the Isreal Philharmonic Orchestra. His Stradivarius violin Gibson ex Huberman, which was stolen twice during his lifetime, is now played by Joshua Bell.

Walter Benjamin was born in Berlin in 1892 as the first child of an assimilated Jewish family. He was a German philosopher, cultural critic and translator of the works of Marcel Proust, Charles Baudelaire and Honoré de Balzac. He studied German language and literature, philosophy and art history in Freiburg and Berlin, received his doctorate in Bern in 1919 and went to Frankfurt am Main in 1923/24 hoping to reside there. In Frankfurt he met Theodor W. Adorno (whose correspondence is still preserved) and other members of the ›Frankfurter Schule‹ and made important contributions to the Institute for Social Research at Johann Wolfgang Goethe University.

The connecting element between the works, which show the portraits, the seas polluted with plastic and then the garbage dumps, is on the one hand the artist and on the other the inimitable technique which he has developed and perfected over many years. We must point out the consistent destruction of our own basis of existence, a healthy and intact nature, and do this with the presentation of an outstanding artistic position.


–Juliane Lachenmann

Solo Exhibition (Selection)

Year Title Location
2018 Garbage Matters Lachenmann Art
Frankfurt
2015 Untitled Pavouk
Berlin
2013 Untitled Fruits Marc Schmidt
Berlin
2010  ResteRechte Hohenthal & Bergen
Berlin
2009  See How You Feel Maddox Arts
London
2007 Bag Academy

mack B projects

Sarasota/Florida

2007  Bag Base Hohenthal & Bergen
Berlin
2006  Bags of Bags Moving in
Berlin
2006  Question of Balance  Atelierhaus Karpathos
Greece
2005 Please keep cool Please keep cool
Lyon
2004 Recycling Modern Art Nathan Bernstein
New York
2004 Israelischer Wald Bananapark
Landau
2004 Recycling Modern Art GDK
Berlin
2002  Holy Night, Noisy Night Podewil
Berlin
2002  Flowers for Flori Halle LinX
Berlin
2000 Insulapeninsula Italienisches Kulturinstitut
Berlin
1998  A Cave with a View Gartner’s room
Berlin
1997  Art event to remember CrystalNight November 9th, 1938  Berlin
1997  Abwuste Umweltbundesamt
Berlin
1997  Die Reiserie Central Station
Stuttgart
1994   Sex & Vier Schwules Museum
Berlin
1993  Rebel Herzelia Museum
Tel-Aviv
1992  Rabitrabi Kunstuck Galerie
Hamburg
1988  For Goliath Galerie Klaus Lea
Munich
1988  Paintings Galerie Krochmalkit
Munich
1988  Works

Galerie Stahl

Starnbergersee
Munich

Group Exhibition (Selection)

Year Title Location
2015  Rose is a Rose is a Rose Berlin
2015  Green Bag – Movement, Nachahmung Empfohlen! Museo Metropolitano
Lima/Peru
2014 Green Bag – Movement, Nachahmung Empfohlen! Stiftung Zollverein
Essen
2014 dotLand Peninsula
Berlin
2014 Musraramix Jerusalem
2014 Natura Naturata WiE gallery
Berlin
2014 Conjunction

Greenhous

Berlin

2013  Green Bag – MovementNachahmung Empfohlen!

Capilla del Arte UDLAP

Mexico

2013  Green Bag – MovementNachahmung Empfohlen!

Marta Traba

Sao Paulo

2013  Green Bag – Pool

MUDAC

Lausanne

2012   Memory of Present

coup de des

Berlin

2011  Cavemanread, project eXodus

Kulturzentrum

Krefeld

2010   Untitled 12.10

Drap Art

CCCB

Barcelona

2010  Preparing the Canvas

Lodz biennale 2010

Lodz

2009
Connect Gallery
Will/Swiss
2008 Summer Show Maddox Art
London
2007 Rag-Bag

art goes Heiligendamm

Rostock

2007  Schwebende Stelen

Werkstat der Kulturen

Berlin

2005  Paradise Now or Tomorrow

Teatro Marceool

Rome

2005  Schwebende Stelen

Galerie Mathias Kampl

Berlin

2003 Das Recht des Bildes

Bochum Museum

Bochum

2003  Toraporte

Sinajoes Roma

Rome

2001 Thousand Bags Symphony Cork
2001 XXI Rougier & Plé
Paris
2000  Flower Tears, Landwork

Artists Museum Lodz

Lodz/Poland

2000  Millefleurs

Picture Show Gallery

Berlin

1999  Reifies line

Galerie Siret, Palais Royal

Paris

1999 Lokal – Lo Kal

Centre Cultural Francais

Haifa/Israel

1998 Stern der Erlösung

Davka

Berlin

1995  Oikos & Eigenbau Berlin
1995 Sally Can Dance

SMart Art Space

Amsterdam

1993 Cabinet d’ami

Ruimte Morgen

Antwerpen

1992  7 

Jüdische Museum

Jüdisches Museum Berlin

1991 Heimat Stunde

Italienisches Kultur Zentrum

Berlin

1987 Diagolo Bologna
1986 Der Schloss with Ro Reinstadt Schloss Gauting
Munich
↑ Back to top ↑

Galerie Konstanz

Reichenaustraße 53
D 78467 Konstanz

+49 7531 369 1371

Öffnungszeiten
Mi—Sa 11—17h
+ nach Vereinbarung

konstanz@lachenmann-art.com

Galerie Frankfurt

Hinter der Schönen Aussicht 9

60311 Frankfurt am Main

Tel +49 (0) 69 7689 1811

Öffnungszeiten
Mi—Sa 12—18h
+ nach Vereinbarung

frankfurt@lachenmann-art.com

Follow us on

Facebook Lachenmann Art
Instagram Lachenmann Art